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07.06.2019
Werdohl: Schaeffler Engineering – quo vadis?

Schaeffler-Betriebsrat in Werdohl informiert Belegschaft am 07.06.2019 anlässlich des bundesweiten Aktionstags zur Transformation

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ralf Magiera spricht zu den Beschäftigten

Es gab großes Interesse bei den Beschäftigten im sauerländischen Schaeffler-Standort

Wir dokumentieren hier in Auszügen die Rede des Betriebsrats von Schaeffler Engineering Werdohl zum Aktionstag.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

aus unserer Sicht ist es dringend notwendig Euch über die Vorgänge im Konzern und die Auswirkungen auf uns zu informieren. Wir haben uns heute, am 7. Juni 2019, in allen deutschen Schaeffler-Standorten zu einem bundesweiten Aktionstag versammelt. Das Motto des Aktionstags von IG Metall und Gesamt- und Konzernbetriebsrat lautet: „Transformation bei Schaeffler – Alle mitnehmen!“

Nachdem nun, gerade in 2018, die Bedingungen in der Automobilindustrie, aufgrund der allgemeinen Verunsicherung unter anderem durch die Dieselproblematik sich rapide verschlechtert haben, und die OEM von den Zulieferern Beteiligungen in Form von Preisnachlässen verlangen, hat der Konzern Probleme mit der Finanzierung von Zukunftsthemen. [...]

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir bringen heute unsere Sorge zum Ausdruck: Die Werke in Deutschland „bluten aus“! Ein Strudel der ständigen Verlagerung bedroht die strategische Bedeutung und Wirtschaftlichkeit der deutschen Standorte. In Hamm, Kaltennordheim, Steinhagen und Unna sehen wir viel früher als angenommen, welche Bedrohung sich aufbaut: Alte Produkte werden verlagert oder laufen mangels Kunden aus. Neue Produkte sind nicht ausreichend in Sicht! Gegen diese Entwicklung wenden wir uns! Wir erklären uns deshalb solidarisch mit den betroffenen Standorten: Heute ihr – morgen wir!

In der Metallindustrie wie auch bei Schaeffler spricht man von Transformation. Gemeint ist damit der Umstieg in Digitalisierung, Industrie 4.0, autonomes Fahren und Elektromobilität.

Was wir wollen:

  • Mitnahme aller Beschäftigten bei notwendigen Veränderungen!
  • Stopp der Verlagerung von Forschung, Entwicklung, Produktion nach Osteuropa!
  • Priorität für Auslastung der Werke in Deutschland und Westeuropa!
  • Keine betriebsbedingten Kündigungen, keine Standortschließungen!
  • Neue Produkte und Dienstleistungen in Elektromobilität und Digitalisierung!

Wir fordern ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Zukunft des Standortes Deutschland, für Fertigung, Forschung, Entwicklung, Logistik und Verwaltung.

Was bedeuten die hier aufgezeigten Aktivitäten für Schaeffler-Engineering?

Die Sparwelle trifft uns mehrfach:

  • Zum einen haben wir sehr mit dem zurzeit schwierigen Umfeld der Automotive OEM zu kämpfen, wodurch es uns erschwert wird, externes Geschäft zu akquirieren.
  • Der Sparkurs im Konzern hat auch für uns einen negativen Einfluss auf Investitionen und Intercompany-Geschäft.
  • Der Konzern schafft Ressourcen (u.a. Prüfstandskapazitäten in Brașov) mit fragwürdiger Kosteneffizienz, die zu uns im Wettbewerb stehen werden.

Somit werden uns aus dem eigenen Konzern Aufgaben genommen. Dies wurde von uns in der Betriebsrätekonferenz im November 2018 moniert. Da die Zahlen der SEN auch in 2019 nicht besser wurden und wir trotz Beschäftigung nur eine Auslastung von 72% produktiv haben, sind auch wir gezwungen, unsere Kostensituation zu analysieren.

Vor diesem Hintergrund sind wir mehr denn je gefragt, unsere strategische Bedeutung und unseren Wertbeitrag innerhalb des Schaeffler Konzerns sichtbar zu machen. Von drei eingereichten Projekten im Rahmen des Schaeffler Innovationsfonds wurden zwei im ersten Schritt zur Weiterverarbeitung angenommen. Dafür Danke für Euer Engagement in der Sache.
Dies bedeutet auch, dass unsere strategische Bedeutung im Konzern steigt. Herr Uwe Wagner, als designierter Nachfolger von Professor Peter Gutzmer, hat sich zu der Ausrichtung der SEN bekannt und will diese verstärkt fortsetzen.

Nichtsdestotrotz haben wir Gegenspieler im Konzern, die uns die Butter vom Brot nehmen wollen.

Nur gemeinsam – Mitarbeiter, Betriebsrat und auch Interims-Geschäftsführung in vertrauensvoller Zusammenarbeit – wird es uns gelingen, diese aktuell schwierige Phase zu meistern und uns für die Zukunft bei Schaeffler Engineering gut aufzustellen.

Sicherlich werden sich bei Euch nun einige Fragen ergeben, welche wir gerne entgegennehmen und für die am 18.07. anstehende Betriebsversammlung (Einladung folgt) bündeln und dort zur Beantwortung bringen werden.

Ich danke Euch für Euer zahlreiches Erscheinen bei der heutigen Versammlung und für Eure Aufmerksamkeit und Euer Vertrauen.

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