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20.07.2020
INFO-Institut: Covid-19 prägt die Automobilindustrie

Das arbeitnehmernahe Beratungsunternehmen INFO-Institut aus Saarbrücken analysiert in seinem aktuellen Rundbrief Nr. 02/2020 die Situation der Autoindustrie nach mehreren Monaten Corona-Krise

Der Autoabsatz soll sich weltweit nur langsam bis 2025 auf das Vor-Corona-Niveau von 2019 erholen

Die Corona-Krise hat neben den Branchen Tourismus und Einzelhandel auch die Autoindustrie hart getroffen. Es wird davon ausgegangen, dass bisher bereits rund 7,5 Mio. Fahrzeuge aufgrund der wochenlangen Stilllegung der Produktion weniger produziert wurden als ursprünglich geplant.

Auch die Absatzprognosen für das Geschäftsjahr 2020 sehen sehr verhalten aus, Experten befürchten, dass – abhängig von der Dauer der Pandemie – der globale Markt für neue PKWs um 20% bis 25% gegenüber dem Vorjahr sinken kann. Zusätzlich dürfte die abnehmende Nachfrage nach neuen Fahrzeugen und Neuanschaffungen in finanziell unsicheren Zeiten die Erholung des Marktes weiter belasten. Insgesamt gehen OEMs und Zulieferer von einer „U-Form“-Erholung, die bis zu 2024/2025 andauert, aus.

Wie sich der Mobilitätssektors künftig entwickelt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Insbesondere die nachfolgenden
Aspekte werden in Zukunft starke Auswirkungen auf die Automobil(zuliefer)-Industrie haben:

•  Staatliche Regulierungen: Ob der Marktanteil der elektrifizierten Fahrzeuge oder doch wieder der Verbrenner zunimmt, hängt im hohen Maße von den staatlichen Regulierungen ab. Setzen die Regierungen wieder stärker auf den Verbrennungsmotor, um die Branche von den Transformationskosten zu entlasten, oder stellen sie jetzt den Hebel noch energischer in Richtung Elektromobilität? China und Deutschland zum Beispiel beschleunigen mit ihren politischen Entscheidungen derzeit den Trend zur Elektrifizierung.
 
•  Liquidität der Unternehmen: Aufgrund der durch COVID 19 hervorgerufenen angespannten Absatz- und Margensituation werden Automotive-Unternehmen zunächst den Fokus auf das aktuelle Cash-Management verstärken und so gegebenenfalls Investitionen in neue Technologien, wie das autonome Fahren, zurückstellen. Außerdem könnte es vermehrt Insolvenzen und Zusammenschlüsse von Unternehmen geben.
 
Ein weiterer Punkt ist die Anpassung der Lieferketten: Die Corona-Pandemie könnte die Unternehmen zum Umdenken verleiten und eine regionale Fertigung wieder in den Fokus rücken. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel in Europa für Europa und in China für China produziert wird – mit der Gefahr einer weiteren Verlagerung von West- nach Osteuropa.
 
•  Kundenverhalten: Das Kundenverhalten dürfte nach der Covid-19-Krise hauptsächlich von zwei Faktoren beeinflusst werden – geringere Konsumausgaben und höheres Bewusstsein für Gesundheit und Sicherheit. Demnach dürfte eine geringere Kaufkraft auch die Preise und Margen der Hersteller sinken lassen, was dazu führt, dass OEMs und Zulieferer ihre Kosten weiter senken müssen. Aufgrund des Sicherheitsaspektes ist zu erwarten, dass die Besitzer von PKWs ihre Autos verstärkt nutzen werden und Nutzer von ÖPNV auf Alternativen, wie das Fahrrad, umsteigen.

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