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22.11.2017
Gesamt- und Konzernbetriebsrat: Shared Service Center geplant

Die Arbeitnehmervertretung betrachtet die Pläne des Vorstands zur Einrichtung eines Shared Service Center mit großer Skepsis – Betriebsräte haben Widerstand gegen Zentralisierung und Verlagerung indirekter Bereiche nach Osteuropa angekündigt

Der Gesamt- und Konzernbetriebsrat schreibt:

"Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Schaeffler befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation. Der Vorstand will wegen sinkender Gewinnmargen Kosten sparen, um mehr Mittel für Investitionen in künftige Geschäftsfelder und Produkte zu haben. Als ein Projekt hat der Arbeitgeber die Kosten im indirekten Bereich unter die Lupe genommen und gibt Sparziele vor.

Konkret soll für die Region Europa in Osteuropa ein neues Shared Service Center für indirekte Bereiche errichtet werden. Dafür werden derzeit die Bereiche Finanzen, Personal, Einkauf, Logistik, IT untersucht. Es sollen die Teilfunktionen und -prozesse in ein zentrales Shared Service Center überführt werden, die sich dafür eignen.

Geplant sind eine Standardisierung bzw. Harmonisierung von Abläufen sowie eine Optimierung und Digitalisierung der Prozesse. Die Verlagerung nach Osteuropa soll Lohnkostenvorteile bringen. Der Vorstand rechtfertigt seine Pläne mit dem Hinweis auf andere Firmen, die bereits solche Shared Service Center eingerichtet haben.

Betroffen sind gut 900 Stellen, davon rund 500 Stellen in Deutschland und weitere 400 im restlichen Europa. Im neuen Shared Service Center sollen 600 bis 800 Stellen aufgebaut werden. Hierbei handelt es sich um rein rechnerische Angaben. Konkrete Stellenabbau-Pläne will der Arbeitgeber ab Januar 2018 vorlegen und besprechen. Der Prozess soll bis 2022 ablaufen, um soziale Härten zu vermeiden.

Dem Gesamt- und Konzernbetriebsrat wurden in einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses am 21. November 2017 die Pläne vorgestellt. Wir als Arbeitnehmerseite haben spontan unseren Widerstand angekündigt und werden dazu ein arbeitnehmernahes Institut mit der wirtschaftlichen Beratung der Betriebsräte beauftragen.

Dabei wollen wir vor allem die folgenden Fragen kritisch beleuchten: Wird mit dem Shared Service Center Geld eingespart, wenn hohe Restrukturierungs- und Investitionskosten zu erwarten sind? Ist es sinnvoll, verschiedenste Bereiche in einem Shared Service Center zu vereinen? Wie ist die Qualität eines solchen Centers, oder geht es nur um Kosteneinsparung? Ist eine Zentralisierung von Verwaltungsfunktionen in Zeiten von Home Office und mobiler Arbeit überhaupt notwendig? Gibt es arbeitnehmerfreundliche Alternativen?

Erst in einem zweiten Schritt werden wir einen Interessenausgleich für die betroffenen Beschäftigten verhandeln. Wir fordern:
• Keine betriebsbedingten Kündigungen wegen eines Shared Service Center!
• Altersteilzeit und Versetzungen auf geeignete, zumutbare Arbeitsplätze!
• Weitere sozialverträgliche Maßnahmen für nicht vermeidbaren Personalabbau!

Sobald es wesentliche neue Erkenntnisse gibt, werden wir euch erneut informieren. Eure Betriebsräte sind eure kompetenten Ansprechpartner für alle Fragen am Standort.

Norbert Lenhard,
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats

Thomas Mölkner,
Vorsitzender des Konzernbetriebsrats"

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