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15.04.2020
INFO-Institut: Die Autobranche in der Coronakrise

Das arbeitnehmernahe Beratungsunternehmen INFO-Institut aus Saarbrücken legt in seinem aktuellen Rundbrief Nr. 01/2020 eine Kurzanalyse zur Lage der Autoindustrie vor

zum Download:
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Mit China und Westeuropa sind zwei Schlüsselmärkte der international tätigen Autobauer von der Corona-Krise bereits deutlich betroffen und der US-Markt dürfte wohl folgen.

Einbruch von Absatzmärkten und Lieferketten

Es wird davon ausgegangen, dass sich der italienische und französische PKW-Absatzmarkt um -25% rückläufig entwickeln. Für Spanien, Deutschland, Mexiko und die USA wird ein Rückgang um -20% prognostiziert. Für 2020 wird infolge der Corona-Krise ein Einbruch des weltweiten Absatzmarkt auf unter 70 Mio. Fahrzeuge erwartet.

Neben Absatzproblemen und Geschäftsverlusten leidet insbesondere die Aufrechterhaltung der Lieferketten unter der Coronapandemie. Gerne wird die Wertschöpfungs- und Fertigungskette mit einer gut geschmierten Maschine verglichen, bei der ein Rädchen ins andere greift, um Produktionskonzepte wie beispielsweise "just in time" umzusetzen. Ist jedoch nur ein bisschen Sand in der Maschinerie, droht das Konstrukt zu bröckeln.

Maßnahmen der Automobilbauer und -zulieferer

Viele Autohersteller haben Kurzarbeit für ihre europäischen Werke angekündigt, darunter der PSA-Konzern (Peugeot, Citroën, Opel), der Volkswagen-Konzern (VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche) und der Daimler-Konzern (Mercedes-Benz, Smart). Auch wenn viele Hersteller aktuell angekündigt haben, ihre Produktionen Ende April/Anfang Mai wieder hochzufahren, wird dies mit deutlich geringeren Stückzahlen erfolgen.

Das Coronavirus zwingt Zulieferer ebenfalls zum Handeln: Der angeschlagene Autozulieferer Leoni aus Nürnberg sieht den Fortbestand des Geschäftsbetriebs gefährdet und beabsichtigt deshalb Finanzhilfen von der deutschen Bundesregierung zu beantragen. Das Unternehmen ist das erste aus dem Automobilsektor, das sich zu dieser drastischen Maßnahme gezwungen sieht.

Folgen von Covid 19 für die Automobilbranche

Branchenkenner gehen aktuell davon aus, dass die Coronavirus-Krise eine Konsolidierungswelle in der Automobilindustrie auslösen könnte. Demnach dürften Übernahmen oder Fusionen in den nächsten Quartalen
und Jahren verstärkt erfolgen, zumal die Bewertungen der Unternehmen momentan sehr niedrig sind. Es ist davon auszugehen, dass Premiumhersteller die Krise leichter überwinden werden als deren Konkurrenten,
weil sie eine kaufkräftige Kundschaft besitzen und weniger Fahrzeuge absetzen müssen, um Geld zu verdienen.

Hersteller hingegen wie Fiat Chrysler oder Renault, die sich sowieso bereits in einer schwierigeren Situation befinden, könnten durch das Coronavirus in eine noch schwierigere Lage versetzt werden. Kurzfristig steht insbesondere bei vielen kleineren und mittelständischen Zulieferern das Liquiditätsmanagement in der Coronakrise im Fokus. Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass bestehende Überkapazitäten im europäischen Markt abgebaut werden.

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