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21.09.2020
IG Metall: Die Automobilindustrie im August 2020

Neuzulassungen in Deutschland von Januar bis August 2020 um 28 Prozent unter Vorjahr – Drastischer Rückgang auch in Europa, Brasilien und Indien – Weniger starkes Schrumpfen in China, USA und Japan

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2020-09_Praesentation_Automobi

Die Automobilbranche befindet sich global weiterhin in einer äußerst schweren Krise. Sie setzt sich zusammen aus einer seit zwei Jahren anhaltenden Nachfrageflaute, seit dem 1. Quartal 2020 noch drastisch verstärkt durch die "Corona-Krise", sowie dem starken Strukturwandel durch die Transformation.

So kommen die Autohersteller und -zulieferer zweifach unter Druck: Das aktuelle Geschäft wirft mangels Umsatz nur noch wenig Gewinn ab. Doch eben dieser Profit wäre erforderlich, um die hohen Kosten für Elektromobilität, Digitalisierung, autonomes Fahren usw. zu finanzieren. Die IG Metall fürchtet in diesem Zusammenhang eine existenzgefährdende Krise vor allem für die mittelständischen Automobilzulieferer. Selbst große Hersteller wie etwa Opel und Ford wollen aufgrund geringer Kapazitätsauslastung ganze Werke schließen. Deutschland steckt wegen der weltweiten Corona-Maßnahmen bereits seit Jahresanfang in der Rezession.

Die deutsche Kaufprämie für Elektrofahrzeuge hat bisher wenig zur Marktbelebung beigetragen. Nicht nur ist die Nachfrage nach E-Mobilen überschaubar, auch die Lieferzeit beträgt bei vielen Modellen ein halbes Jahr und mehr. Die weiteren Teile des Konjunkturpakets, wie etwa die Mehrwertsteuersenkung, konnten bestenfalls ein kleines "Strohfeuer" entzünden. Der Autoverkauf in Deutschland hat während der Monate Juli und August nur leicht angezogen. Nun liegt ein Vorschlag der IG Metall zur steuerlichen Förderung besonders umweltfreundlicher Verbrennungsfahrzeuge auf dem Tisch, um der Konjunktur den dringend nötigen Schub zu verleihen. Er soll bei der nächsten Automobilrunde im Kanzleramt diskutiert werden.

Die heftigen "Bremsspuren" in der Konjunktur und die schlechten weiteren Erwartungen zeigen inzwischen deutliche Wirkungen am Arbeitsmarkt. In der deutschen Automobilindustrie sank die Zahl der Beschäftigten von ihrem Höhepunkt im August 2018 mit über 840.000 Beschäftigten auf nur noch 804.000 im August 2020 ab. Noch im Januar 2020 lag die Beschäftigtenzahl noch bei knapp 830.000. Diese Talfahrt dürfte andauern, denn 44 Prozent der Branche erwarten eine sinkende, 55 Prozent eine stagnierende und nur 1 Prozent eine wachsende Beschäftigung. Dies ist eine historisch schlechte Erwartungshaltung, vergleichbar mit der Weltfinanzkrise 2008. Die Aussichten haben sich gegenüber dem Stand vom April 2020 weiter deutlich eingetrübt.

Diese negative Sicht ist mit Blick auf die Statistiken durchaus berechtigt. Von Januar bis August 2020 sanken die Autoausfuhren und die Autofertigung gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um jeweils 36 Prozent. Damit sinken das vierte Jahr in Folge die Produktion und der Export. Aktuell befinden sich Millionen Beschäftigte in Deutschland in der Kurzarbeit. Viele große Hersteller sowie Zulieferer hierzulande haben mittlerweile massiven Personalabbau angekündigt, weil sie an eine dauerhafte Krise glauben. Gewerkschaften und Betriebsräte ringen mit Kurzarbeit und Forderungen nach Arbeitszeitabsenkung darum, dass möglichst keine Beschäftigten entlassen werden müssen, bis die Coronakrise überstanden ist. Hier lässt sich die Präsentation abrufen.

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