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02.10.2020
INFO-Institut: Die Autobranche im Klimawandel- und Corona-Stress

Das arbeitnehmernahe Beratungsunternehmen INFO-Institut aus Saarbrücken gibt in seinem aktuellen Rundbrief Nr. 03/2020 einen Überblick zur Lage der Autoindustrie

Die bereits harte CO2-Regulierung in Europa soll möglicherweise bis Sommer 2021 abermals verschärft werden – die Autobranche warnt vor einer Überbelastung

Klimaneutralität als Herausforderung

Bis zum Jahr 2050 soll Europa klimaneutral werden und um dieses Klimaziel zu erreichen, ist aktuellsten Medienberichten zufolge eine Überprüfung und eine mögliche Anpassung der CO2-Grenzwerte für Neuwagen für das Zwischenziel 2030 beabsichtigt.

Ob eine Anpassung und somit eine Erhöhung der Reduzierung von -37,5% auf -50% des CO2-Ausstoßes von Pkws im Flottenverbrauch von 2021 bis 2030 kommt, soll das Gremium schließlich im Sommer 2021 entscheiden.

Konkret würde das bedeuten, dass der derzeitige Marktanteil von E-Automobilen von 7,2% deutlich ansteigen müsste. Die Folgen dürften schließlich insbesondere mittelständische Zulieferer spüren, die häufig stark vom Verbrennungsmotor abhängen und hohe Investitionen in dem sich schwierigen Wandel hin zu alternativen Antrieben und mehr Internet im Auto nur schwer aufbringen können.

Eine weitere Zielverschärfung bis 2030 stößt auf Seiten des Verbandes der Autoindustrie (VDA) auf breite Ablehnung. Gemäß VDA ließen die Pläne den Konjunktureinbruch und die Folgen der Corona-Krise außer Acht und darüber hinaus seien zahlreiche Firmen bereits jetzt mit dem Transformationswandel überfordert.

Aber nicht nur die EU diskutiert über straffere Klimaziele. Kurz nach den Ankündigungen der EU-Kommission hat China sein Ziel neu gesteckt, es will bis zum Jahr 2060 Klimaneutralität erreichen. Das kündigte Staatschef Xi Jinping in seiner Rede bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung an. Das Land strebt einen Wendepunkt bei den CO2-Emissionen vor 2030 und Kohlenstoff-Neutralität vor 2060 an und stellt sich damit hinter das Pariser Klimaschutzabkommen des Jahres 2015.

Werden die Maßnahmen entsprechend umgesetzt, dann führt dies im größten Automobilmarkt der Welt ebenfalls zu einer Beschleunigung von alternativen Antrieben.

Doppelstress für die Autoindustrie: Transformation und Corona

Die Automobilindustrie steht derzeit vor zahlreichen Herausforderungen: zusätzlich zur Transformation ist eine deutliche konjunkturelle Eintrübung durch COVID 19 spürbar, so dass sich die seit vergangenem Jahr eingesetzte Rezession weiter verschärft hat. Auch blickt die Automobilindustrie mit Sorge auf mögliche Verschärfungen der CO2-Regelungen nach Brüssel und die sich daraus ergebenden Folgen.

Bereits vor COVID 19 kündigten zahlreiche Automobilhersteller und Zulieferer meist im Zuge der Transformation Sparprogramme und Personalanpassungen an, welche nun durch den konjunkturellen Rückgang meist noch gesteigert wurden:

Im Rahmen der Anpassungsmaßnahmen ist unter den Zulieferern der Continental-Konzern derzeit das auffallendste Beispiel. Continental sieht eine Streichung von bis zu 30.000 – in Deutschland 13.000 – der weltweit 232.000 Stellen vor. Das im Herbst 2019 verkündete Sparprogramm „Transformation 2019-2029“ hatte ursprünglich 20.000 Jobs bis 2029 vorgesehen.

Im September 2020 bestätigte auch der Zulieferer Schaeffler, dass bis Ende 2022 von den aktuell 84.000 Beschäftigen 4.400 in Deutschland und Europa abgebaut werden sollen. Betroffen seien im Wesentlichen zwölf Standorte in Deutschland und zwei weitere im europäischen Ausland. Schaeffler führt bereits seit 2018 umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen im Zuge des Umbaus zur E-Mobilität durch.

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