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24.03.2021
Gesamt- und Konzernbetriebsrat: Kampf um Luckenwalde + Zukunft für Ingolstadt?

Im neuen GKBR-Infoblatt Nr. 11/2021 informieren wir über den Stand der SPACE-Gespräche in Luckenwalde und stellen die Situation bei Schaeffler in Ingolstadt dar

zum Download:
11_Infoblatt_kompakt_GKBR_2021

Luckenwalde: Neue Chance oder Ende?

Betriebsrat und IG Metall setzen sich fürs Überleben des Standorts ein

Der Schaeffler-Vorstand gab am 09.09.2020 bekannt, dass er sich vom profitablen Automotive-Standort Luckenwalde trennen will. Das Geschäft mit Verbrennungsmotoren sei langfristig ein Auslaufmodell und Luckenwalde sei darauf fokussiert. Der Arbeitgeber wolle daher einen Teil der Produktion verlagern und das restliche Werk verkaufen oder schließen.

Nach einem halben Jahr großer Unsicherheit für die Belegschaft gab es am 03.03.2021 das erste Sondierungsgespräch zwischen Management und Betriebsrat Luckenwalde, der sich vom wissenschaftlichen INFO-Institut beraten lässt. Das vom Betriebsrat vorgeschlagene Alternativkonzept zum Erhalt des Standorts bei Schaeffler wurde dabei vom Arbeitgeber ignoriert.

Derzeit werden vom Management vor allem Gespräche mit möglichen Kaufinteressenten vorangetrieben. Der Arbeitgeber begründet sein Beharren auf den eigenen Plänen mit den üblichen Unternehmensaussagen: Rückgang der Verbrennungsmotoren-Technik, schweres Marktumfeld, Preisdruck und schwierige Umsatzentwicklung. Doch die Argumente überzeugen nicht.

Der Betriebsratsvorsitzende Frank Hildebrandt betont: „Nicht erwähnt wird dabei, dass diese Umstände für alle Autohersteller und -zulieferer sowie andere Schaeffler-Standorte genauso gelten. In den letzten Jahren haben einige Vorstände den Standort Luckenwalde erleben dürfen. Immer wurden starke Leistungen, Innovationskraft, gelebte Schaeffler-DNA und Pioniergeist bescheinigt.

Warum will man sich dann nach drei Jahrzehnten von einem profitablen, kostengünstigen und innovativen Betrieb trennen? Reiht sich Schaeffler in die Reihen der Unternehmen ein, die sich nach Jahren sicherer Gewinne aus den neuen Bundesländern zurückziehen? Soziale Verantwortung sieht anders aus!“

In der Betriebsversammlung am 05.03.2021 äußerten viele Kolleginnen und Kollegen ihren Unmut deutlich, auch teilweise emotional. Seit einem halben Jahr hängt die Belegschaft in der Luft. Entspricht das der Schaeffler-Firmenkultur? Ist das ein vertrauensvoller und fairer Umgang mit den Beschäftigten? Wird womöglich der Verkauf an eine verantwortungslose „Heuschrecke“ vorbereitet, wie in Kaltennordheim?

Frank Hildebrandt sagt dazu abschließend: „Die Luckenwalder Belegschaft steht weiter-hin für einen Verbleib im Schaeffler-Konzern, denn die Entscheidung ist bei Betrachtung aller Umstände weder wirtschaftlich noch politisch nachvollziehbar. Betriebsräte, IG Metall und Belegschaft werden weiter unmissverständlich ihre Forderungen für die Zukunft des Luckenwalder Standortes an den Vorstand richten!“

 

Hat Ingolstadt eine Zukunft bei Schaeffler?

Was wird aus dem Werk im Wandel zur E-Mobilität, fragt der Betriebsrat

Bei der Ankündigung des Restrukturierungsprogramms „SPACE“ am 09.09.2020 benannte der Schaeffler-Vorstand auch Ingolstadt. Immerhin 32 Stellen soll das Werk über das Freiwilligenprogramm abbauen. Seit 2017 wurden am Standort rund 100 Arbeitsplätze gestrichen.

Im Werk Ingolstadt werden seit über 60 Jahren Motorenelemente produziert, derzeit vor allem hochmoderne Produkte wie das MultiAir-System für FIAT- und Jaguar-Motoren. Sollte dieser Auftrag wegbrechen, ist der Bestand des Werks akut gefährdet.

Die hoch flexiblen und qualifizierten Mitarbeitenden in Ingolstadt leisten einen großen Beitrag beim ständigen technologischen Wandel von Motorenelementen in der Schaeffler-Welt und möchten dies auch gerne weiterhin tun (siehe Grafiken). Haupttechnologien im Werk sind Wärmebehandlung, Innen- und Außendurchmesser-Schleifen sowie Montage. Betriebsrat, IG Metall und Belegschaft machen sich große Sorgen um die Zukunft des Verbrennungsmotoren-Standorts im nun beginnenden Zeitalter der Elektromobilität.

Der Betriebsratsvorsitzende Robert Lauffer fordert deshalb vom Management, neue Konzepte für den Standort zu entwickeln. Die Beschäftigten seien bereit für neue Herausforderungen. Der Betriebsrat ist sich sicher, dass Ingolstadt mit neuen Produkten der Elektromobilität erneut einen wichtigen Beitrag für die Schaeffler-Gruppe leisten könnte.

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