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12.07.2021
Gesamt- und Konzernbetriebsrat: Veränderungen in der Ausbildung

In seinem aktuellen Infoblatt geben der Gesamt- und Konzernbetriebsrat sowie die Gesamt- und Konzern-Jugend- und Auszubildenden-Vertretung die Pläne des Arbeitgebers für die Ausbildung in Deutschland bekannt und übt konstruktive Kritik

zum Download:
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Licht und Schatten: Arbeitgeber plant Veränderungen bei der Ausbildung ab Januar 2022

Der Gesamt- und Konzernbetriebsrat (GKBR) sowie die Gesamt- und Konzern-Jugend- und Auszubildendenvertretung (GKJAV) begrüßen einzelne Aspekte – und lehnen andere kategorisch ab!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bei der Sitzung des GKBR am Dienstag, 06.07.2021 hat der Arbeitgeber die arbeitnehmerseitige Interessenvertretung offiziell über geplante Veränderungen für die Ausbildung in Deutschland ab Januar 2022 informiert.

Folgende Grafik des Arbeitgebers gibt einen Überblick über die vorgesehenen Änderungen.

Die Grafik zeigt die Ausbildungsstandorte in Deutschland. Die grünen Punkte symbolisieren Standorte mit eigener Ausbildung bei Schaeffler sowie dem Vorhandensein eines Ausbildungszentrums (ABZ). Die grauen Punkte stehen für eine eigene Ausbildung ohne ABZ und die blauen Punkte bedeuten, dass Auszubildende an dem Standort eigestellt werden, allerdings bei einer externen Firma ausgebildet werden.

Die Standorte Luckenwalde und Wuppertal werden in Klammern aufgeführt, da der Arbeitgeber dort keine Neueinstellungen und Investitionen plant. Beide Standorten sind vom Maßnahmenprogramm SPACE betroffen.

Um die Ausbildung in Deutschland zukunftsfähig aufzustellen, plant der Arbeitgeber Investitionen in Höhe von bis zu 10 Millionen Euro in Herzogenaurach und Bühl. Ziel ist die Modernisierung der Ausbildung an den beiden Standorten und der Angleich an das Niveau des Ausbildungszentrums in Schweinfurt.

An den anderen Ausbildungsstandorten sollen „selektive Investments“ durchgeführt werden. Was das bedeutet, ist bisher unklar, da der Arbeitgeber die detaillierte Planung noch nicht vorgestellt hat. Die Mitglieder des GKBR sowie der GKJAV begrüßen die Investitionen in die Ausbildung an den Standorten Herzogenaurach und Bühl und fordern gleichzeitig Investitionen in die Ausbildungszentren der anderen Standorte, um deutschlandweit ein einheitliches Ausbildungsniveau anzubieten.

Der Arbeitgeber hat diese Forderung schon abgelehnt. Das Argument waren erneut die entstehenden Kosten. Es würden insgesamt circa 25 Millionen Euro für Investitionen anfallen, um die ABZ einheitlich und mit modernsten Ausbildungsmitteln auszustatten.

Maximilian Noack, Vorsitzender der GKJAV, klärt auf: „Mehrere Generationen von Jugend- und Auszubildendenvertreter*innen haben auf die fehlenden Investitionen in die Ausbildung an den Standorten aufmerksam gemacht. Aus meiner Sicht hat der Arbeitgeber es in der Vergangenheit versäumt, die Ausbildung auf einem hohen Standard zu halten. Ich verstehe nicht, dass die benötigten Mittel vom Schaeffler-Vorstand nicht freigegeben werden: Denn wer an der Ausbildung spart, spart an der Zukunft des Unternehmens. Und dies kann nicht im Sinne unserer Kolleg*innen und des Managements sein.“

Die gestrichelten Kästchen mit den Namen verschiedener Standorte haben folgende Bedeutung: Zum einen sollen Zuständigkeiten geändert werden, sodass nur noch eine*n Ausbildungsleiter*in für mehrere Standorte zuständig wäre. Zum anderen plant der Arbeitgeber ab Januar 2022 einen vertieften Austausch zwischen be-stimmten Ausbildungsstandorten, wie es in den gestrichelten Kästchen in der Grafik dargestellt ist.

Dies würde beispielsweise bedeuten, dass Auszubildende der Standorte Hirschaid, Höchstadt und Gunzenhausen bestimmte Ausbildungsinhalte im modernisierten ABZ in Herzogenaurach vermittelt bekommen würden. Es kann aber auch sein, dass andere Themenkomplexe in Höchstadt, Hirschaid oder Gunzenhausen gelehrt werden.

Die Ziele des Arbeitgebers sind hierbei Kosteneinsparungen, indem „Ausbildungs-Know-How“ an ausgewählten Standorten zentralisiert wird und die Auszubildenden der anderen Standorte die Inhalte dort vermittelt bekommen. Die Auszubildenden müssten teilweise wochenlang an andere Standorte pendeln, um die relevanten Ausbildungsinhalte zu erlernen.

Der Arbeitgeber hat bei der GKBR-Sitzung versichert, dass die Ausbildung weiterhin in der Fläche deutschlandweit fortgeführt werden soll – allerdings „zukunftsorientiert adjustiert“, also mit den beschriebenen Veränderungen.

 

Gesamt- und Konzernbetriebsrat fordert ein Zielbild für alle Standorte in Deutschland!

Salvatore Vicari, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Schaeffler Technologies AG & Co. KG, kritisiert folgende Punkte: „Nach all den Maßnahmen- und Restrukturierungsprogrammen in der Vergangenheit, wie etwa Jupiter, RACE und zuletzt SPACE, haben unsere Kolleg*innen massive Veränderungen erdulden müssen.

Mir ist unklar, warum das Management jetzt eine weitere tiefgreifende Reform auf den Weg bringen will und diese ab Januar 2022 Anwendung finden soll. Anstatt die bestehenden Aufgaben in Ruhe abzuarbeiten und so etwas wie „Normalität“ in den Schaeffler-Konzern einkehren zu lassen, wird der nächste streitbare und hochsensible Konflikt aufgemacht.

Mit den Erfahrungen der aktuellen Standortschließungen Wuppertal und Eltmann haben die Kolleg*innen der „kleinen und mittleren“ Standorte große Sorgen, was diese „selektiven“ Investitionsentscheidungen für die Zukunft ihrer Standorte bedeuten.

Ich persönlich unterstütze die Investitionen in die Ausbildung in Herzogenaurach und Bühl nachdrücklich und fordere das Management auf, die Ausbildungszentren der anderen Standorte ebenfalls in diesem Umfang zu modernisieren, sodass Schaeffler flächendeckend eine erstklassige Ausbildung an allen Standorten anbieten kann. Die Umsetzung des aktuellen Vorschlags ab Januar 2022 lehne ich ab.

Elektromobilität, Digitalisierung der Arbeitswelt, Restrukturierungsprogramme, Nachholbedarf bei Qualifikation und Ausbildung stellen uns alle vor große Herausforderungen. Wir benötigen daher Zielbilder für alle deutschen Standorte zu der künftigen Ausrichtung, damit Klarheit für Ausbildung, Qualifikation und die Zukunft der Standorte geschaffen wird.“

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